Neues vom Fantasten 15

Eine halbe Stunde später rollte der kleine E-Flitzer brav wieder in die Garage. Heraus stiegen zwei etwas verwirrt dreinblickende, aber durchaus zufrieden wirkende Männer sowie ein schelmisch grinsendes Mädchen. Ihr Gesichtsausdruck hielt so lange an, bis sie ihre Mutter erblickte, die wie ein Racheengel auf der obersten Stufe der Eingangstreppe stand.

Das wirkte wie ein Eimer eiskaltes Wasser, eine schuldbewusst dreinblickende Zehnjährige hinterlassend. Ich beobachtete das Schauspiel aus sicherer Entfernung und konnte mein Vergnügen dabei nur schwer im Zaum halten.

Sie sieht dir unheimlich ähnlich, Gabby. Wie in deinen besten Zeiten als Bote für die eher unrühmlichen Nachrichten ... 

Ganz kurz blitzte etwas in ihren Augen auf, das mir nur allzu bekannt vorkam und mich mahnte, nicht weiter in diese Bresche zu schlagen. Es war ein uraltes Spiel zwischen uns, völlig harmlos, so lange wir uns an unsere wahre Identität erinnerten. Geschah dies aus irgendwelchen Gründen nicht, konnte es tödlich enden.

Direkt besann ich mich auf das Wesentliche und schuf ein wenig Ordnung im Wohnzimmer, wo wir die Verdächtigen gleich bei morgendlichem Kaffee und Brötchen verhören wollten. Zu diesem Zweck bereitete ein weiterer Teil von mir in Windeseile schon mal alles in der Küche vor, während ich mich körperlich meiner Tochter näherte und ihr beruhigend die Hand auf den Arm legte.

„Reg dich nicht auf“, murmelte ich sanft. „Sie hat es ganz sicher nicht böse gemeint. Sieh dir die Gesichter der Männer an – merkst du, dass Debbie sie behutsam eingewickelt hat? Jetzt werden sie uns alles verraten, was wir wissen möchten – ohne psychischen Zwang, na ja, sagen wir FAST ohne ...“

„Das alles ist echt hammermäßig schwer zu verkraften“, flüsterte Annie. Ihre Stimme bebte leicht und in ihren Augen schimmerten schon wieder Tränen. Die Maske des Zorns war längst abgefallen und hinterließ eine verzweifelte Mutter, deren Kummer ich gut nachempfinden konnte. Viel besser, als sie ahnte. Schließlich war sie selbst ebenfalls ein „Sorgenkind“, seit ihrer Geburt lebensbedrohlichen Anfeindungen ausgesetzt, und ihr eigenwilliger Charakter hatte ihrer Mutter und mir das Leben noch zusätzlich erschwert.

„Da siehst du endlich mal, wie es ist, wenn die Kleinen anfangen, ihren eigenen Weg zu gehen“, schmunzelte ich und zwinkerte ihr verschwörerisch zu. 

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