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Neues vom Fantasten 9

„MIC, wach auf!“

Sie rüttelte mich an der Schulter und gab mir eine schallende Ohrfeige, da ich nicht reagierte. Das brachte meine Lebensgeister zurück und ich wehrte einen zweiten Schlag sanft ab.

„Schon gut, ich bin wieder da“, brummte ich schläfrig und stellte fest, dass meine Zielprogrammierung genau funktioniert hatte. Coole Sache, diese moderne Technik! Nur, dass ich die Landung mit dem Jet hier nirgends durchführen konnte und deshalb unser Zielpunkt mehrere hundert Meter über dem Erdboden lag. Gab hatte mich gerade noch rechtzeitig wachbekommen, bevor die „Landung“ uns hätte abstürzen lassen.

Wir wechselten das Fluggerät und setzten sanft auf dem Besucherparkplatz des Weißen Hauses auf.

Der zuständige Sicherheitsmann begrüßte uns freundlich.

„Sie werden bereits erwartet. Wenn Sie mir bitte folgen würden ...“

Hast du da irgendwas gedreht?

Mein pures Erstaunen wurde von einem lautlosen Kichern beantwortet.

Ich habe uns natürlich bei der entsprechenden Aufforderung über Funk angemeldet - als Fantast und Cousine. Wundere dich bitte nicht darüber, wenn mich die Leute siezen. Ich mach mich ´n bisschen älter, damit sie mich überhaupt reinlassen und ernstnehmen ...

Ich nickte anerkennend.

Gute Idee. Hätte ich nicht besser formulieren können. So zuvorkommend wurde ich hier noch nie empfangen!

Ich betrachtete meine Begleiterin von allen Seiten. Sie trug ihre besten Sachen, wirkte auf mich jedoch noch immer wie ein zehnjähriges Schulmädchen.

Lächelnd bemerkte sie meine Blicke und wuchs plötzlich ein ganzes Stück. Ihre Figur nahm weiblichere Formen an, ihr braunes Haar fiel ihr perfekt gestylt über die Schultern. Und ihr Gesicht ... Es war noch immer Debbie, doch sie sah einfach nur atemberaubend aus. Genauso würde es in acht oder zehn Jahren sein – wenn sie bis dahin Zeit hätte, zu wachsen und sich zu dieser wundervollen Frau zu entwickeln.

Wow! Wenn du nicht meine Enkeltochter wärst, könnte ich mich glatt in dich vergucken! 

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Neues vom Fantasten 8

„Kann ich mitkommen?“, bat Debbie, als ich mich innerlich seufzend erneut reisebereit machte.

Das ist nicht dein Ernst, oder?

Mein gedachter Kommentar brachte sie lediglich dazu, mit den Schultern zu zucken. Laut fragte ich: „Warum? Brauchst du ein Interview mit General Eagle für den Politikunterricht?“

Eagle war der Deckname einer alten Freundin, Leiterin einer mir seit vielen Jahren bekannten Spezialeinheit, die für die nationale Sicherheit zuständig war und direkt dem Präsidenten unterstand. Sie würde auch an dem Treffen teilnehmen.

„Ach bitte! Du hast gesagt, dass du mich bei Gelegenheit mal dahin mitnimmst, wo du arbeitest.“

„Doch nicht jetzt, Schätzchen!“, rief Annie entsetzt.

„Aber Mama, das war nur Spaß! Ich wollte noch mal nach Gonzo sehen und danach vielleicht bei Angie zum Üben für die Englischarbeit vorbeischauen!“

Ich glaube, ich muss mit, gab sie mir dabei eindrücklich zu verstehen.

„Das lässt sich einrichten“, stimmte ich laut zu.

Dann geht´s jetzt echt los? Oh, Mann!

Mein lautloses Ächzen entlockte ihr ein Lächeln.

„Aber um neun bist du wieder zu Hause – oder du rufst rechtzeitig an, damit dich jemand abholt!“, bestimmte Piet und sah mich leicht misstrauisch an. Er traute mir zweifellos zu, seine Tochter zu dem Geheimtreffen mitzuschlörren, nur damit sie ihren Willen bekam.

Gab zerstreute seine Bedenken sanft und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Danke, Pa!“, rief sie fröhlich und zog sich eine alte Jacke sowie  ausgelatschte Sneaker an. Zumindest sahen die Sachen für ihre Eltern so aus. In Wirklichkeit hatte sie ihre besten und konservativsten Kleidungsstücke ausgewählt.

 

Kurz darauf befanden wir uns bereits wieder in der Luft.

„Jetzt erzähl mir endlich, warum du unbedingt an der Krisensitzung teilnehmen musst“, knurrte ich.

„Ich soll den Präsidenten treffen. Mehr weiß ich auch nicht.“

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Neues vom Fantasten 7

Wie erwartet blieb das Mädchen erwartungsvoll stehen, anstatt direkt nach Hause zu marschieren. Unter ihrem prüfenden Blick fiel es mir doppelt schwer, die nötige Konzentration aufzubringen, doch schließlich hatte ich es vorhin schon mal fertiggebracht ...

Ich rief mir den Ort haargenau in Erinnerung, zu dem ich hinwollte und löste diesen Körper auf, sobald mein inneres Bild perfekt war.

 

Wieder das haltlose, irritierende Gefühl bei der Trennung von meiner nicht mehr existenten Hülle und gleichzeitig der mächtige Sog. Diesmal war ich darauf vorbereitet und es kam mir weniger unangenehm vor. Überrascht stellte ich fest, dass ich die gewaltige Entfernung nach Kanada genauso gedankenschnell zurückgelegt hatte, wie die fünfzig Meter beim Probedurchlauf. Ich befand mich auf dem „Besucherörtchen“ des Tagungsortes, wo sich außer mir zurzeit glücklicherweise keine Menschenseele aufhielt. Neugierig betrachtete ich mein Spiegelbild. Natürlich gab es keins. Doch ich wollte sehen, wann und wie mein Körper für meine Umgebung sichtbar wurde, wenn ich ihn neu erschuf. Deshalb tat ich es dort, wo das Spiegelbild auf den Boden fiel.

Indem ich einen Teil meiner Aufmerksamkeit diesem Phänomen widmete, brauchte ich mindestens ebenso lange wie beim ersten Mal. Aber es war sehr faszinierend, dabei aus dem neuen Blickwinkel zuzusehen! Wie in einem uralten Star-Treck-Film materialisierte sich mein Körper langsam, war erst durchscheinend und wurde dann fester. Wenigstens sah es nicht besonders ekelig oder abstoßend aus, auch wenn meine inneren Organe zeitweilig zu sehen waren.

Dann erregte ein Geräusch meine Aufmerksamkeit und ich stellte erschrocken fest, dass sich jemand anschickte, die Tür zu öffnen. 

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Fantastische Leseproben - die Story

Geschichten, die das LEben schreibt ... 

Die Geschichte begann eigentlich ganz harmlos mit der Idee, Leseproben für den ersten Teil des Fantasten anzufertigen und sie für die

Buchmesse in Berlin drucken zu lassen. Bei „Wir-machen-Druck“ entdeckte ich die Option „kostenlosen Probedruck bestellen“ und bastelte kurzerhand einen 12-seitigen Flyer mit Cover und Klappentext sowie dem ersten Kapitel. Dann wartete ich. Ein bestimmtes Lieferdatum war nicht angegeben, aber ich hatte ja noch genug Spielraum.

 

Langsam wurde die Zeit bis zur Messe knapp – bereits Anfang November und noch immer keine Probeproben in Sicht! Endlich, als ich schon beinah die Hoffnung aufgegeben hatte, trudelten sie dann doch ein: zwei schlanke Pakete im Format DIN-A 4. Ich wunderte mich schon, weil die bestellten Flyer (in unterschiedlicher Papierstärke) nur Postkartengröße haben sollten. Noch mehr staunte ich, als ich das erste Paket öffnete und einen einzelnen Riesenflyer im DIN-A 4-Format herauszog! Sah wunderschön aus, aber so groß wollte ich meine Proben dann doch nicht haben. Wenigstens das dickere Papier stimmte und die Qualität überzeugte mich.

Im zweiten Karton befand sich der bestellte DIN-A 6-Flyer mit dem etwas zu dünnen Papier. Sah aber ebenfalls recht annehmbar aus. Also setzte ich mich direkt an den Rechner und bestellte den Kompromiss: Klein mit dickerem Glanzpapier – und weil es günstiger war, gleich 250 Stück davon. Beim Blick auf das vorgesehene Lieferdatum wurde mir leicht mulmig zumute: Der 17. November lag eine Woche vor Messebeginn! Aber ich vertraute auf die Zusage des Druckhauses.

 

Der vorgesehene Liefertag kam, verstrich und kein Lebenszeichen von „Wir-machen-Druck“, geschweige denn ein Paket! Geduldig wartete ich noch das Wochenende ab und blöderweise auch noch den Montag, bevor ich anrief.

„Wir bemühen uns darum, den Auftrag so schnell wie möglich zu liefern“, hieß es. Ich wies die nette Dame am Telefon darauf hin, dass ich die Leseproben dringend für die Buchmesse benötigte und dass sich der Lieferort entsprechend ändern würde. Null Problemo – ließ sich alles arrangieren. Sie würden sich bei mir melden, hieß es.

Ich wartete den Dienstag – keine Nachricht. Mittwoch wurde ich fuchsteufelsnervös und rief wieder an. Ja, man gäbe sich alle Mühe, den Termin zu schaffen.

Mittlerweile hatte ich längst Vorsorgemaßnahmen für den Notfall getroffen: Eine sehr liebe Autorenkollegin, die persönlich auf der Messe sein würde, hatte sich bereiterklärt, das Paket für mich anzunehmen und zum Bunte-Hunde-Stand zu tragen. Also gab ich ihre Hotel-Adresse weiter, schärfte der netten Dame am Telefon jedoch ein, dass die Proben unbedingt am Freitag in Berlin sein mussten, damit sie am Samstag mit zur Messe konnten.

In Ordnung, sie wollten sich Mühe geben und sich bei mir melden.

Ich informierte meinen Kontakt, dass der Notfallplan greifen musste.

 

Am Donnerstagnachmittag saß ich auf heißen Kohlen, rief wieder die Hotline an, hatte – nach der obligatorischen Warteschleife - erneut eine nette Dame am Apparat und schilderte ihr das Problem. Sie ließ mich einen Augenblick warten und erkundigte sich.

„Es tut uns leid, wir haben einen Maschinenschaden und sind im Lieferverzug“, kam schließlich heraus.

Aha. Ich bemerkte, dass ich es schön gefunden hätte, wenn sie mir das gleich gesagt hätten. Ja, aber sie würden sich bemühen, den Auftrag rechtzeitig fertigzustellen und dann per Express schicken.

Mittlerweile war es nach siebzehn Uhr und ich fragte mich, wann sie den Auftrag noch versenden wollten, wenn er noch nicht einmal GEDRUCKT war.

„Bitte schicken Sie es nur, wenn es heute noch rausgeht!“, sagte ich eindringlich.

In Ordnung, sie würden sich bei mir melden.

Mit einem ziemlich miesen Gefühl und viel Wut im Bauch legte ich auf. Es hätte nicht viel gebracht, das Telefon an die Wand zu werfen, doch die Versuchung war groß.

 

Am nächsten Mittag bekam ich eine Mail vom Druckhaus mit der Nachricht, dass der Auftrag soeben per Express versandt worden war. Wohlgemerkt mit dem „Spar-Express“, der am nächsten Tag bis mittags um zwölf liefern würde. Aaargh!

Wieder rief ich nach der Arbeit die bekannte Nummer an und klagte der netten, völlig unschuldigen Dame kochend mein Leid.

„Aber es kommt doch morgen noch an“, hieß es.

Mein Einwand, dass es ZU SPÄT im Hotel ankommen würde, nämlich dann, wenn meine Kollegin längst auf der Messe war, galt nicht.

Jetzt wurde es wirklich schwierig, nichts durch die Gegend zu werfen.

Resigniert schrieb ich meinem Kontakt, dass die Proben wohl erst im Laufe des Samstags kommen würden. Dieser war fassungslos, versprach jedoch, sich darum zu kümmern.

 

Auch am Samstag kamen die Leseproben nicht in Berlin an, wie ich abends nach dem gelungenen Messetag (nur halt ohne meine Proben) erfuhr. Meine Autorenkollegin war wahnsinnig teilnahmsvoll und supernett.

Sie bot mir direkt an, das Paket auf ihre Kosten (!) an meine Adresse senden zu lassen. Doch ich lehnte dankend ab, da es einfach zu viel des Guten war. DIE hatten den Mist verbockt, jetzt sollten sie auch die Suppe auslöffeln! Ich kochte weiterhin und wollte einfach nicht glauben, dass sich der Paketservice jetzt auch noch gegen mich verschworen hatte.

Am Sonntag erfuhr ich dann, dass meine tolle Kollegin das Hotel angewiesen hatte, die Annahme des Pakets zu verweigern.

 

Montagmittag erhielt ich die Benachrichtigung vom Expressdienst, dass die Lieferung ihren Bestimmungsort erreicht hatte. Tada!  

Bis dahin hatte ich längst erneut die Nummer gewählt, die ich komischerweise noch immer nicht auswendig kannte. Auch meine Auftragsnummer wollte mir einfach nicht im Kopf bleiben. Verdrängungstaktik, um geistig gesund zu bleiben, vermute ich.

Die nette Dame wirkte ein wenig eingeschüchtert angesichts meines bemüht freundlichen Tones und der Botschaft, die ich ihr mitzuteilen hatte. Oh, das tat ihr sehr leid (mir auch ...). Ich solle warten, bis das Paket wieder bei ihnen eingetroffen sei, dann könne ich es reklamieren. Man würde sich ...

Ich wusste Bescheid.  

 

Also wartete ich, vergaß die ganze Sache zwischenzeitlich – schließlich ging es auf Weihnachten zu und es gab andere Dinge, an denen ich mich erfreuen konnte.

Nach zwei Wochen rief ich vorsichtig noch mal an und erkundigte mich nach dem Verbleib des Pakets, von dem ich nicht ein Wort gehört hatte. Die nette Dame am Apparat wusste nichts darüber, aber sie wollte sich erkundigen und man würde sich ...

Oh, DANKE!

 

Am dreizehnten Dezember erreichte mich folgende Mail:

 

Sehr geehrte Frau Göhr,

für die entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir Sie um Entschuldigung.
Ein kostenloser Nachdruck ist bereits in Produktion.
Sie erhalten ihn so schnell wie möglich.
Es ist uns wichtig, Sie in Zukunft wieder zu unseren zufriedenen Kunden zählen zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen aus Backnang

Frau M. G.
Qualitätssicherung
 

Hmm. Gut und schön, sie wollten die Flyer nachdrucken – aber warum? War das ominöse Paket etwa doch nicht wie geplant zurückgesandt worden? Hatte der Hotelbesitzer es behalten und anschließend im Hausmüll entsorgt? Auf jeden Fall wollte ich mich nicht so einfach abspeisen lassen und antwortete:

 

Sehr geehrte Frau G,

 

ursprünglich ging es darum, dass die bestellten und bezahlten Leseproben an meine Heimatadresse versandt werden, nachdem sie eine vergebliche (da durch die die Lieferverzögerung zu spät angetretene) Reise nach Berlin gemacht haben.  

Selbst wenn Sie mir die bisher nicht erhaltene Ware jetzt endlich schicken, ob als Nachdruck oder Original, bleibt der Mangel bestehen, dass sie ZU SPÄT geliefert wird – in meinem Fall mit fatalen Folgen, so dass Sie sich die Mühe eigentlich gar nicht mehr machen müssten. Der eigentliche Zweck der Werbemittel – die Buchmesse in Berlin – ist längst vorbei.

Sie verstehen sicher, dass ich darüber ziemlich verstimmt bin.

Falls Sie mich also auch in Zukunft noch zu Ihren „zufriedenen Kunden“ (oder überhaupt zu Ihren Kunden) zählen möchten, dann bitte ich Sie zusätzlich zur Erbringung der ohnehin schon bezahlten Leistung um eine Entschädigung für den ganzen Ärger, Zeitaufwand durch etliche Telefonate (die alle nur von meiner Seite aus initiiert wurden) und Mails sowie – vor allem -  die entgangene Werbegelegenheit (...).  

 

Mit freundlichen Grüßen
Michaela Göhr

 

So, das musste sein!

Leider wartete ich vergeblich auf eine Antwort.

Weihnachten kam und ging, das neue Jahr wurde eingeläutet ... und ich erinnerte mich wieder an meine Leseproben, von denen ich weiterhin nicht ein Blättchen zu Gesicht bekommen hatte. Also wartete ich noch die erste Januarwoche – schließlich musste man dem Druckhaus die Gelegenheit geben, gute Neujahrsvorsätze einzulösen – und meldete mich am Freitagnachmittag mit neuem Schwung, nachdem ich die längst vergessene Auftragsnummer wieder hervorgekramt hatte.

Man teilte mir freundlich mit, dass die zuständige Dame für die Reklamationen schon gegangen sei und mich Montagmorgen zurückrufen würde.

Oh, sie wollten mich anrufen – zu einer konkreten Uhrzeit! Das war mal was Neues ... gespannt legte ich auf und wartete auf den Montag.

 

Ein Anruf erfolgte nicht, dafür erreichte mich am vereinbarten Tag direkt morgens diese Mail:

 

Sehr geehrte Frau Göhr,

wie besprochen erhalten Sie folgenden Rabattcode im Wert von 13,14 Euro. (...)


Mit freundlichen Grüßen aus Backnang
Frau M. G.
Qualitätssicherung

Immerhin ein Rabattcode. Doch die Mail konnte ich so noch immer nicht auf mir sitzen lassen, denn sie erwähnte mit keinem Wort, dass meine Leseproben, die mittlerweile beinah zwei Monate überfällig waren, jemals eintreffen würden. Ich bedankte ich mich direkt für den (un)abgesprochenen Rabatt und erkundigte mich nach dem Verbleib meiner ursprünglichen Bestellung.

Daraufhin erhielt ich – sogar noch am gleichen Tag, welch Wunder! – noch einmal die gleiche standardisierte Mail, die besagte, dass die Ware so schnell wie möglich nachgedruckt würde. Schließlich wolle man mich als „zufriedenen Kunden“ zurückgewinnen.

 

Inzwischen war es mir ziemlich egal. Ich wollte bloß nichts mehr bei dem Laden bestellen, bevor ich meine Leseproben erhielt – obwohl mir mittlerweile die Lesezeichen ausgegangen waren. Also wartete ich weiter.

Genau am 17.01. – exakt zwei Monate nach dem ursprünglich avisierten Lieferdatum – erreichte mich der Paketbote nicht und warf einen Zettel in den Briefkasten, den ich erst zwei Tage später fand. Ein Paket bei der Post? Komisch, ich hatte überhaupt nichts bestellt ... Ob das vielleicht – nein, da hätte ich doch eine Benachrichtigung bekommen ... oder vielleicht doch?

Gespannt wie ein Flitzebogen enterte ich die Filiale und nahm ein ziemlich schweres Päckchen in Empfang. Absender: „Wir-machen-Druck“!

Aufgeregt stellte ich es auf den Esstisch und rief meinem Mann zu: „Rate doch mal, was eben gekommen ist!“

„Ist bestimmt total miese Qualität oder was anderes stimmt nicht“, gab er halb im Scherz zurück. Bei meinem Glück mit Druckaufträgen (die letzten zwei Buchdrucke unterschiedlicher Druckhäuser waren jeweils mangelhaft eingetroffen und zurückgegangen) war das nicht mal so sehr abwegig.

Ich lachte noch, öffnete, sah den Lieferschein mit dem vertrauten Bildchen und zog den Deckel des kleineren Kartons darunter ab.

„Siehst du, ist doch alles ...“, begann ich und hielt einen Werbeflyer für „Pizza und Kebap“ aus Stuttgart in der Hand.

 

Es dauerte eine Weile, bevor ich den irren Lachflash überwand, der mich schüttelte. Oh ... das durfte einfach nicht wahr sein!

Nachdem ich mich halbwegs beruhigt hatte, rief ich – na ja, ihr wisst schon wo – an und schilderte mein erheiterndes Problem.

Die nette Dame am Telefon schien nun doch etwas mitgenommen und gab zu, dass sie das auch sehr ärgerlich fände und ich solle das doch sofort reklamieren ...

Ich gab zu bedenken, dass meine Sendung längst reklamiert SEI. Daraufhin stotterte sie etwas und meinte, dass ich mich in diesem Fall nur direkt an die Reklamationsabteilung mit besagter Frau G. wenden könne. Also verfasste ich folgende nette Mail:

 

Sehr geehrte Frau G,

 

ich habe das lang ersehnte Paket von Ihnen erhalten, freudig erwartungsvoll geöffnet und obenauf lag auch der Lieferschein für die Leseproben-Broschüren, die ich im November bei Ihnen bestellt hatte.

Leider stellte ich beim weiteren Öffnen fest, dass sich darunter der falsche Artikel befand. Der Kebap-Lieferservice aus Stuttgart war übrigens recht verblüfft, als ich dort anrief und erklärte, dass ich etwas bei ihm bestellen wollte ... ;-) 

Nach einem Anruf bei WmD wurde mir gesagt, dass ich mich zur Reklamation direkt an Sie wenden möge. Deshalb schicke ich Ihnen jetzt zwei Fotos, die den Irrtum belegen und möchte Sie bitten, diese Panne möglichst umgehend zu beheben.

 

Viele Grüße
Michaela Göhr

 

So, das saß!

Den Lieferservice rief ich übrigens wirklich an und erklärte ihm die Situation. Er war sehr verblüfft und versprach, meine Nummer an seinen Grafiker weiterzuleiten, bei dem er die Flyer in Auftrag gegeben hatte.

Leider meldete sich von dort aus in den folgenden Tagen niemand.

Am Mittwochvormittag darauf erhielt ich eine weitere Mail aus der Reklamationsabteilung besagten Druckhauses. Sie war identisch mit den beiden vorigen, die mir einen kostenlosen Nachdruck versprachen – bis auf den erfreulichen zweiten Satz:

 

Dieser (Nachdruck) verlässt voraussichtlich heute unser Haus.

Das musste direkt beantwortet werden und provozierte geradezu die Frage, was nun mit den überzähligen Flyern geschehen sollte.

Die Antwort ließ diesmal nur eine Stunde auf sich warten:

 

Sehr geehrte Frau Göhr,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Die falsch gelieferte Ware können Sie in diesem Fall entsorgen.

 

Aha - ich sollte die zweitausend oder mehr Flyer einfach so in den Müll werfen? Das war doch ... also nee!   

Wieder rief ich in Stuttgart beim Kebap-Imbiss an und fragte, ob sie die vermisste Ware vielleicht noch haben wollten.

„Die können Sie wegschmeißen, wir bekommen neue“, hieß es lapidar.

So ging das also!

In unserer modernen Wegwerf-Gesellschaft war ein großer Karton mit Werbeflyern schneller – und wahrscheinlich sogar noch günstiger – nachproduziert als nachgesandt. Ebenso wie meine Leseproben nun schon zum dritten Mal produziert wurden.

 

Einer solchen Einstellung stehe ich noch immer fassungs- und hilflos gegenüber, auch wenn heute – am Samstag, den 27. Januar – tatsächlich endlich das ersehnte Päckchen ankam. Es befanden sich sogar meine Leseproben darin. Große Freude! Allerdings nur kurz.

Auf der Heizung im Wintergarten steht noch immer ein größerer Karton mit ziemlich viel sinnlos bedrucktem Papier, zu dessen noch sinnloserer Entsorgung ich mich absolut nicht durchringen kann ...

 

 

Warum muss das Leben so kompliziert sein? 

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Neues vom Fantasten 6

Mittlerweile gab es so gut wie keine Helis mehr am Himmel, doch meine feinen Sinne bemerkten eine Passagiermaschine in einigen Kilometern Höhe, die in den nächsten Minuten unsanft den Boden erreichen würde. Sie war zu groß und zu weit entfernt, um sie auf die gleiche Art zu landen, wie einen Heli. Deshalb kam ich ihr mit meinem vorgestellten Fluggerät entgegen, um im richtigen Moment an Bord zu gelangen. Dazu genügte mir eine gedachte Türöffnung, die genau für den winzigen Augenblick existierte, den ich zum Durchqueren der Flugzeughülle benötigte.

Die beinah fünfhundert Menschen an Bord des Jumbos befanden sich je nach Charakter in Panik oder in einem tranceähnlichen Schockzustand, aus dem sie mein plötzliches Erscheinen nicht aufrütteln konnte. Erst als sich die Flugzeugnase scheinbar ohne fremdes Zutun sanft wieder hob, erwachten die Piloten aus der verzweifelten, hoffnungslosen Starre, in die sie verfallen sein mussten, als sie ihre Situation begriffen hatten. Die Köpfe fuhren herum, als ich wie selbstverständlich das Cockpit betrat und die Anwesenden freundlich grüßte. Der Copilot erkannte mich als erstes, lehnte sich erschöpft zurück und schloss die Augen.

„Gott sei Dank!“, murmelte er auf Spanisch.

Dann erst begriffen auch die Übrigen, dass sie gerettet waren und brachen in Jubel aus.

„Sagen Sie doch bitte den Passagieren, dass alles in Ordnung ist“, bat ich und deutete auf die Gegensprechanlage, die wie alle übrigen elektronischen Geräte an Bord ausgefallen war. Zögernd drückte der Mann im Pilotensitz den Knopf und krächzte in seiner Muttersprache, dass die Maschine unter Kontrolle war und auf dem nächsten geeigneten Flughafen notlanden würde. Erleichtert bemerkte er, dass seine Botschaft übertragen wurde und auch die Anzeigen vor ihm wieder funktionierten.

Aus der Flugkabine drangen Jubel und Beifall. Die Menschen lagen sich in den Armen oder weinten vor Erleichterung. Jetzt erst kamen einige auf die Idee, dass sie mich ja gesehen hatten und streuten die Botschaft, dass der Fantast sich an Bord befand. Schon bald summte das ganze Flugzeug vor Aufregung.

„Ich begreife nicht, wie Sie es machen, aber Sie sind unsere letzte Rettung, ein echter Schutzengel“, bemerkte der Funker. Er löste sich aus seinem Sitz, umarmte mich nach südländischer Art kurz, aber heftig und machte sich dann eifrig daran, Verbindung mit dem nächstgelegenen Tower aufzunehmen. Dank meiner Überbrückung funktionierte die bordeigene Elektronik zumindest temporär wieder und auch die Maschinen liefen gleichmäßig, als wären sie nie ausgefallen.

Der mit dem Schutzengel ist gut, den muss ich mir merken, kam Gabs amüsierter Kommentar. 

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