Hier Gibt es Bilder und passende Textschnipsel zum 1. Band ...

Die Tage wurden kürzer, Weihnachten kam und ging.

Wir bekamen unser erstes Notenzeugnis und meine Eltern waren stolz auf mich. Selbst Anna wurde neidisch, als sie den für mich nicht lesbaren Zettel sah.

„Streber“, knurrte sie. Aber ich wusste, dass sie insgeheim schwer beeindruckt war. Ihre Zeugnisse hatten noch nie so ausgesehen. Das verriet Mama mir anschließend.

Simons Eltern waren ebenfalls zufrieden mit ihrem Sprössling.

„Vor allem, weil er sich bisher noch kein bisschen mit dem Thema Schule befasst hat“, erklärte sein Vater. „Dafür ist er echt erstaunlich gut.“

Wir waren bloß froh, dass es keinen Grund gab, uns unsere kostbare gemeinsame Spielzeit zu kürzen.

 


Timo ist eingesperrt! Irgendwann bringt ihm einer seiner Entführer etwas Essbares in sein Kellergefängnis.

Meine feine Nase stellte fest, dass ein Teller mit Erbsensuppe vor mir stand. Wie erwartet fand ich einen Löffel rechts daneben vor. Eine Dose mit irgendwas Trinkbarem befand sich hinten auf dem Tablett und dabei lag ein Strohhalm. Mein Versorger machte keine Anstalten, den Raum wieder zu verlassen. Schweigend verharrte er auf seinem Platz halb hinter mir.

„Ist noch was?“, fragte ich mürrisch. »Oder darf ich jetzt wenigstens in Ruhe essen?“

„Ich war nur neugierig, wie du das machst“, meinte der Mann. Es klang sogar ehrlich interessiert.

„Na, wie würden Sie denn Ihre Suppe genießen?“, entgegnete ich spöttisch. „Vielleicht mit Messer und Gabel?“

Dann nahm ich seelenruhig den Löffel, legte die linke Hand an den Tellerrand und begann zu essen, ohne mich um den Zuschauer zu kümmern. Dieser ging nach ein paar Löffeln wieder, schlich sich leise hinaus und dachte wohl, dass ich es nicht hören würde.

Erst als er weg war, kümmerte ich mich um die Getränkedose. 


Timo wartet verzweifelt auf ein Lebenszeichen von Simon. Mitten in der Nacht meldet der sich endlich über das geheime Telefon.

Ich war unendlich erleichtert, seine Stimme zu hören. Allerdings nur so lange, bis er erzählte, wie sehr er an diesem Tag gelitten hatte.

„Ständig musste ich mir irgendwas für sie ausdenken. Sie waren nie zufrieden. Immer neue Sachen sollte ich machen. Ganz viel davon konnte ich gar nicht, weil es nicht geht. Aber sie haben mir nicht geglaubt, dass ich Wasser nicht in Schnaps verwandeln und mich nicht irgendwohin beamen kann.“

„Das ist ja auch völliger Blödsinn. Aber den Schnaps hättest du dir doch vorstellen können.“

„Weißt du, wie so’n Zeug schmeckt? Die beiden haben nur gelacht über meinen Versuch und gesagt, das sei Himbeersirup.“

„Warum hast du ihnen das Zeug nicht ins Gesicht geschüttet – oder noch besser Brennnessel-Saft und Pisse – und dein Riese hat sie anschließend als Fußabtreter benutzt?“


Warum kämpft Timo sich so tapfer ganz allein durch unwegsames Gelände?

"Ultraspannend" - Fazit eines jugendlichen Testlesers ...

Konzentriert folgte ich den Geräuschen. Immer am Gebäude entlang über die Wiese.

Plötzlich stand ich wieder vor einer undurchdringlichen Wand aus Geäst. Noch eine Hecke! Diesmal zum Glück ohne Dornen. Aber wie sollte ich hindurchkommen? Ich suchte, tastete nach einer Lücke. Vor mir klangen die Stimmen jetzt viel näher.

„Hier bin ich! Hinter der Hecke! Helft mir doch bitte!“, rief ich.

Aber niemand reagierte. Hatten die alle so schlechte Ohren? Das durfte doch nicht wahr sein!

Da, eine Lücke dicht am Boden! Zwar klein, aber ich konnte es schaffen. Ich musste hindurch! Mühsam quetschte ich erst den Kopf und den Oberkörper hinaus, dann den Rest. Zum Schluss robbte ich über den kalten, feuchten Asphalt des Schulhofs, bis ich mich wieder aufrichten konnte. Ich nahm meinen Stock und rannte beinah auf die Stimmen zu. Dabei schluchzte ich vor Erleichterung. Ich hatte es geschafft!

Endlich wurde jemand aufmerksam. Es war meine Ma.

„Timo!“, schrie sie schrill und rannte mir entgegen.

 


Die beiden Freunde stehen unter Polizeischutz, da alte Feinde von Simon aufgetaucht sind.

Mein Freund bemühte sich ehrlich um Geduld, aber irgendwann riss der Faden endgültig.

Nach zwei langen Wochen Beschattung meldete er sich eines Abends spät bei mir und sagte: „Morgen nach der Schule versuche ich, diesen Heinis für eine Zeit lang zu entkommen, um endlich mal wieder in Ruhe zu spielen. Machst du mit?“

„Bist du wahnsinnig?“, zischte ich entsetzt. „Das ist viel zu gefährlich! Was ist, wenn die Gangster genau auf diese Gelegenheit gewartet haben?“

„Die haben sich doch seit zwei Wochen nicht mehr blicken lassen. Warum sollten sie uns ausgerechnet morgen auflauern? Bitte mach mit!“

„Lieber nicht. Warte doch noch ein bisschen! Bestimmt ist die Überwachung bald vorbei. Stell dir vor, wir werden erwischt! Dann ist es endgültig aus mit unseren Abenteuern und ihr zieht vielleicht doch weg!“

„Ach was, wir werden nicht erwischt! Außerdem möchte ich doch bloß ein klitzekleines Stück in den Wald gehen, nur eine halbe Stunde oder so. Ich hab alles genau geplant – da kann gar nichts schiefgehen. Bitte lass mich nicht im Stich!“

 


Die beiden fantastischen Helden sind im Vergnügungspark. Timo liebt actionreiche Karussells, aber auf einer Achterbahn war er noch nie ...

Während wir uns irgendwie durch die Menschen mogelten, ging ich Simon mit meiner Fragerei sicherlich mächtig auf die Nerven, aber er beantwortete alles, so gut er konnte.

„Geht es immer im Kreis?“, fragte ich.

„Nein, es geht mal nach rechts, mal nach links, mal nach oben und mal nach unten.“

„Ist es sehr schnell?“

„Ziemlich. Hörst du die Leute nicht kreischen?“

„Na klar. Hört sich gefährlich an.“

„Ach was, die haben tierischen Spaß!“

„Wie sitzen wir denn?“, wollte ich wissen, kurz bevor wir einsteigen sollten. Mann, was wackelten mir die Knie!

„Nebeneinander in einem kleinen Wagen. Vor uns und hinter uns sind auch Wagen. Es ist wie ein Zug.“

„Muss man sich anschnallen?“

„Das merkst du gleich. Da ist ein Bügel, der von vorne deine Beine festhält – und meine auch. Komm, die Bahn ist da! Alles einsteigen!“ 


Timo und Simon melden ihren Fund bei der Polizei und hoffen, dass die Strafe für ihren unerlaubten Ausflug sich in Grenzen hält.

Dann kamen Simons Papa und meine Mama. Sie schlossen uns erleichtert in die Arme. Keiner von beiden schimpfte. Dafür waren wir ihnen dankbar, weil wir sonst sicherlich doch noch aufgeflogen wären.

„Sie haben tapfere, clevere Jungs“, bescheinigte ihnen einer der Polizisten. „Ich glaube, die zwei könnten uns helfen, ein paar schräge Vögel dingfest zu machen. Anscheinend haben sie zufällig ein altes Munitions- und Waffendepot aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und zwei Diebe dabei beobachtet, wie sie die Waffen entwendet haben. Jetzt müssen sie uns nur noch das Versteck zeigen, dann ist die Sache perfekt!“

Nun kam Simons große Stunde. Ich selber konnte nichts dazu beitragen, die Räuberhütte wiederzufinden. Aber der gute Orientierungssinn meines Freundes führte die staunenden Erwachsenen zielsicher dorthin zurück, wo wir vor gar nicht allzu langer Zeit erst gewesen waren.

„Sie sind wieder da!“, zischte er mir übers Geheimtelefon zu.


Timo und Simon machen einen heimlichen Ausflug und finden dabei eine versteckte Hütte mit merkwürdigem Inhalt. Was sich wohl in den Kisten befindet?

Alles in mir schrie danach, sofort umzukehren und das Weite zu suchen.

Aber Simon schien nichts dergleichen zu verspüren. Er zeigte sich im Gegenteil völlig fasziniert von den geheimnisvollen Kisten und führte mich hin, damit ich sie ertasten konnte. Sie waren groß, hölzern und sehr dreckig. Wenn ich mit der Hand darüber fuhr, wischte ich Spinnweben fort und eine dicke Staubschicht. Es roch abgestanden, aber nicht moderig. In der trockenen, staubigen Luft hing noch ein anderer Geruch, den ich nicht einordnen konnte.

„Lass uns wieder gehen, bitte!“, flehte ich.

„Moment noch“, hörte ich und gleich darauf ein Knarzen, das mir verriet, dass eine der Kisten geöffnet wurde.

„Oooh!“

„Was?“

„Guck mal!“, rief Simon fröhlich und schob mir etwas Kleines, Eiförmiges in die Hand.

Es war geriffelt und hatte eine Lasche, durch die man den Finger stecken konnte.

„Was ist das?“, fragte ich entgeistert.


Hier werden Timo und Simon Opfer eines besonders dummen und gefährlichen Schülerstreichs. Danke, Karina für das tolle Bild dazu!

Kaum waren wir aus der Tür und auf dem Flur, als es zischte und ein leises Geräusch davon kündete, dass neben uns etwas landete. 

„Au Sch…“, begann Simon, stoppte abrupt und zog mich zurück. Bevor er mehr tun konnte, gab es einen ohrenbetäubenden Knall, bei dem ich vor Schreck einen halben Meter in die Luft hüpfte. Vom anderen Ende des Flures erklang ein Johlen und Kreischen, das davon kündete, dass Jannis’ Bande ihren Spaß an meinem Schrecken hatte. 

„Was ist hier los?“, erklang schon die strenge Stimme von Herrn Pölzer, der direkt vor uns die Klassenzimmertür aufgerissen hatte. 

„Tür zu!“, brüllte Simon und zog mich runter. 

Gleichzeitig hörte ich, wie Herr Pölzer überrascht aufschrie und die Tür wieder zugeschlagen wurde. Eine halbe Sekunde später detonierte dort, wo der Lehrer gerade noch gestanden hatte, ein weiterer Donnerschlag und ein Pfeifen und Knistern, Fauchen und Prasseln erklang.


Auf dem Schulweg testen Timo und Simon das "Band" - die neuste Erfindung des Fantasten, mit der sie sich gegenseitig anrufen können.

Sobald sie losgefahren waren, zog ich dreimal an dem komischen Band. Es fühlte sich genauso merkwürdig an wie zuvor.

„Na endlich!“, hörte ich die erleichterte Stimme meines Freundes. „Ich dachte schon, dir wär was passiert!“

„Dina kam vorbei, da konnte ich nicht“, verteidigte ich mich. „Aber ich höre dich super gut. Du mich auch?“ 

„Natürlich. Ich hab den Zug am Band sofort gemerkt. Das ist echt klasse!“ 

„Wo bist du jetzt?“

„Auf dem Schulhof-Klo. Ich wollte testen, ob das Band auch durch Türen durch hält.“

„Durch Türen durch? Wie geht das denn?! Und wie lang ist diese Schnur überhaupt?“ 

Das verwirrte mich jetzt völlig.

„Das war ja das Komplizierte daran. Es musste so dehnbar sein, dass es überall hinreicht, egal wo wir gerade sind. Es durfte sich keiner darin verheddern oder darüber stolpern. Die Leute sollten einfach hindurchgehen, ohne es zu merken. Trotzdem wollte ich, dass es so fest ist, dass wir beide bei Bedarf dran ziehen können. Ist doch super gelungen, oder?“ 

»Äh, ja … aber das geht überhaupt nicht!“ 

„Du siehst ja, dass es geht! Also sag sowas nicht, sonst glaub ich es hinterher noch, und dann ist unser schönes Band wieder futsch.“ 

„Ok, wenn du es sagst.“


Timos Klasse ist im Zoo. Sie erhalten eine "Spezialführung", bei der sie bestimmte Zootiere unter der Augenbinde anfassen dürfen. Und jetzt ist Berni, die Vogelspinne an der Reihe ... 

Berni fühlte sich ziemlich groß auf meiner Hand an. Erst bewegte er sich fast gar nicht und ich dachte erleichtert: So kann es bleiben.

„Und – hast du die Spinne schon?“, hauchte Annabell neben mir. „Wie fühlt es sich an? Sag endlich!“

Zustimmendes, schüchternes Gemurmel ringsum. Mir wurde bewusst, dass sie alle auf einen Kommentar von mir warteten. Natürlich. Ich würde auch hören wollen, wie es für jemand anderen war, eine Riesenspinne auf der Hand zu halten! Aber ich war es nun mal nicht gewöhnt, solche Fragen gestellt zu bekommen. Es war genau genommen das erste Mal.

Ich erklärte es, so gut ich konnte.

„Er ist ungefähr so groß wie ein Flummi mit Beinen und auch so schwer. Im Moment sitzt er nur auf meiner Hand und macht gar nichts. Aber er fühlt sich anders an … kitzeliger. Abdul, darf ich ihn vorsichtig berühren?“

„Aber klar doch“, erwiderte der Angesprochene und ich spürte, wie er meine linke Hand nahm und meinen Zeigefinger behutsam auf eine Stelle irgendwo in der Mitte legte.

„Oh!“ rief ich erstaunt. „Berni hat Haare!“

Die Spinne fühlte sich beinah flauschig an, überhaupt nicht unangenehm, lebendig und irgendwie toll. Dann begann sie sich zu bewegen.


Simon möchte Timo unbedingt Schwimmen beibringen. Aber ob das gut geht?

Es war viel zu tief für mich. Ich sank, bis ich auf dem Boden stand. Auch unter Wasser schrie ich noch weiter – panisch, beinah starr vor Schreck. Dann begriff ich, dass keine Luft mehr da war. Meine Lunge war leer, ein unendlichen Berg an Wasser über mir. 

Ich ertrinke, dachte ich bloß. Zu mehr war mein überfordertes Gehirn nicht fähig. 

Dann hörte ich Simons Stimme neben mir. Er klang anders als sonst, aber er war es eindeutig.

„Du musst atmen“, sagte er. 

Gleichzeitig spürte ich, wie sich etwas Weiches, Anschmiegsames um Mund und Nase legte. 

„Atme endlich, Timo!“

'Nein, ich darf kein Wasser einatmen', dachte ich, aber ich hielt es einfach nicht mehr aus. Weit öffnete ich den Mund und saugte etwas in mich hinein. Doch es war kein Wasser, sondern Luft! Tief atmete ich sie ein und wieder aus. Sie entwich blubbernd seitlich von meinem Gesicht.

„Siehst du, geht doch!“, hörte ich meinen Freund zufrieden sagen.


Wer oder was hat Timo hier am Schlafittchen? Auf jeden Fall ist es etwas, das allein sein Freund sehen kann - und es ist määächtig groß! 

Ich ertastete eine Art haarigen Baumstamm. Das musste ein Bein des Riesen sein! Ich umschlang die Wade mit meinen Armen, es klappte gerade so. Knapp über Kopfhöhe begann eine riesige Hose, denn ich fühlte rauen, groben Stoff. Das Knie befand sich noch höher, ich kam nicht dran.

Aber den nackten Riesenfuß bestaunte ich ausgiebig. Er steckte in einer Art Sandale mit Riemen, die darum gewickelt waren. Er war so groß, dass ich meine beiden Arme fast ganz ausstrecken musste, um von der Ferse bis zum dicken Zeh zu gelangen.

Plötzlich spürte ich, wie sich die Gestalt vor mir bewegte. Erschrocken nahm ich die Hände weg und trat einen Schritt zurück.

„Er tut doch nichts, oder?“, fragte ich leicht misstrauisch.

Simon lachte. „Nein, er ist sehr nett zu Kindern. Er hat sich zu dir runtergebeugt, damit du sein Gesicht befühlen kannst.“


Timo probiert zum ersten Mal Simons vorgestelltes Riesentrampolin aus. 

Er nahm meine beiden Hände und dann spürte ich, wie er ganz vorsichtig ins Tuch sprang. Das machte mir Mut – so hatte er es gestern auch versucht. Wir waren immer höher gehüpft, bis Papa aufgetaucht war.

„Ja, so ist es gut!“, rief er und spornte mich damit noch mehr an.

Ich lachte und hatte plötzlich gar keine Angst mehr. Simons Hände fühlten sich stark und sicher an, wie die meines Vaters, obwohl er kaum größer war als ich selbst und sicherlich auch nicht kräftiger. Dennoch kam ich mir bei ihm so vor, als könnte mir nichts auf der Welt etwas anhaben. Jeder Sprung katapultierte uns ein Stück höher hinaus und bald schon dauerte es wirklich lange, bis wir wieder unten ankamen. Immer landeten wir genau gleichzeitig, so dass ich nicht ein einziges Mal das Gefühl hatte, schief aufzukommen oder während des Fluges das Gleichgewicht zu verlieren.

„Das ist voll krass!“, schrie ich in den Wind, der an meinen Haaren zerrte, mich jedoch nicht aus der Bahn werfen konnte.

„Nicht wahr!“, brüllte Simon zurück und jauchzte.

„Wie hoch sind wir?“, fragte ich atemlos, als wir den höchsten Punkt unseres Sprungs erreicht hatten.

„Keine Ahnung – jedenfalls höher als unser Haus!“

„Aaaah! Du bist verrückt!“, kreischte ich.


Simon bringt Timo Inlinern bei. Alles läuft prima, bis ... 

„Du musst bremsen!“, hörte ich Simon wie durch Watte und fuhr an ihm vorbei. „Stell deinen rechten Fuß auf die Hacke.“

Ich versuchte es, aber das war zu wackelig. Und ich musste mich zu sehr darauf konzentrieren, nicht umzufallen.

Es geht bergab, war meine messerscharfe Schlussfolgerung. Wir sind am Ende der Straße angekommen, und jetzt geht es den Berg runter bis ganz ins Tal!

„»Hilfe!“, schrie ich und ruderte wild mit den Armen.

Plötzlich spürte ich Simons Hand an meiner, die sie festhielt.

„Wenn du nicht bremsen willst, dann fahren wir halt zusammen runter“, rief er fröhlich. „Das ist mega-geil! Gleich am ersten Tag - wow! Du bist echt mutig!“

„Aber ich will anhalteeeeen!“, kreischte ich entsetzt.

„Zu spät. Dann legst du dich auf die Nase. Geht zwar auch, aber Runterfahren macht viel mehr Spaß, das kann ich dir versichern!“

„Aaaah!“

Der Wind und die Angst trieben mir die Tränen in die Augen. Doch mit Simon an meiner Seite fühlte ich mich trotzdem hundertmal sicherer als allein. Irgendwie schien er meine Fahrt zu stabilisieren, denn ich hatte nicht mehr ständig das Gefühl, umzukippen. Außerdem war die Strecke viel weniger holprig, so als würde er sich eine glattere Fahrbahndecke für uns vorstellen.

Immer schneller ging die wilde Fahrt – und dann hörte ich vor uns ein Hupen. Es klang tief und vertraut.

„Oh, Mist!“, fluchte Simon.

„Was ist?“, brüllte ich panisch und quetschte seine Hand noch fester.

„Der Bus kommt“, murmelte mein Freund so leise, dass ich ihn fast nicht verstanden hätte.

„Der Bus?“ Mein Entsetzen konnte eigentlich nicht noch größer werden.

„Jaaa, gib acht!“


Timo möchte mit Simon gemeinsam zur Schule gehen. Doch das ist nicht so einfach, weil er eigentlich eine spezielle Förderschule für Sehgeschädigte besuchen soll. Die beiden Jungs besuchen daraufhin die Rektorin der örtlichen Grundschule.

Der Schreibtischstuhl knarzte leicht, als sie sich darauf setzte.

„Jetzt aber mal zu euch beiden. Warum wollt ihr mich denn so dringend sprechen? Wartet mal … ich kenne euch doch! Ihr kommt im Sommer in die Schule, nicht wahr? Ich habe euch an den Kennenlern-Tagen getroffen. Du bist doch Timo, der blinde Junge. An dich erinnere ich mich natürlich besonders gut. Und du? Deinen Namen weiß ich leider nicht mehr.“

„Simon“, sagte der Angesprochene. „Wir wollten dich fragen, ob Timo nicht doch hier zur Schule gehen kann. Er ist wirklich gut und weiß schon ganz viel. Ich bin sein Freund und kann ihm immer helfen, wenn er es braucht. Aber er macht eigentlich alles alleine, deshalb könnte er doch …“

„Moment mal“, unterbrach ihn die Direktorin erstaunt. „Ihr zwei seid extra hierhergekommen, um mich das zu fragen? Wissen eure Eltern, dass ihr hier seid?“

„Äh, nein“, stotterte ich verlegen. „Wir dachten …“

„Also sowas habe ich wirklich noch nie erlebt“, stellte die Frau vor uns fest. „Da kommen zwei Vorschulkinder ganz allein in mein Büro geschneit, weil sie zusammen zur Schule gehen möchten – einfach unglaublich!“


Das Kennenlernen ist eigentlich ganz harmlos ...

Es war kurz vor meinem sechsten Geburtstag, als Simon eines Tages zu uns in die Kindergartengruppe kam und von unserer Erzieherin als ‚der Neue‘ vorgestellt wurde. Natürlich sagte sie auch seinen Namen, aber wer hört schon richtig hin, wenn er gerade mitten beim Spielen ist? Ich jedenfalls nicht. Zum Glück hatten der Neue und ich eine große gemeinsame Leidenschaft – nämlich Lego. So kam es, dass er bereits nach kurzer Zeit in der Bauecke landete, wo ich selig vor mich hinarbeitete.

„Gibst du mir mal den roten Vierer da drüben?“, bat er mich irgendwann freundlich. Ich antwortete nicht. Normalerweise fragt mich sowas niemand.

„Na dann eben nicht“, brummte er gleich darauf und holte sich den Stein selbst.

Er sprach mich auch nicht mehr an. Keine Ahnung, ob er beleidigt war oder bloß total vertieft in sein Legospiel. 


Timo besucht Simon zum ersten Mal und dieser erzählt ihm von seiner besonderen Begabung: Alles, was Simon sich vorstellt, wird real. Es sieht bloß niemand außer ihm. Hier kommt der ultimative Test ... 

Dann fiel mir etwas ein, das er garantiert nicht so schnell herbeischaffen konnte. Ha! 

„Ich hätte gern eine Kugel Schokoeis im Hörnchen. So eins wie von der Eisdiele.“

Überrascht hielt ich zwei Sekunden später eine Eiswaffel in der Hand. Wie ging das jetzt? 

Vorsichtig fühlte ich daran, roch, schleckte – Schokoeis von der leckersten Sorte! 

„Hmm, lecker! Aber wie hast du das gemacht? Kannst du … kannst du wirklich zaubern?“ 

„Eigentlich nicht. Ich stelle mir die Sachen bloß vor. Und ich muss auch ganz fest dran glauben, dass sie da sind. Wenn nicht … tja, dann sind sie halt wieder weg.“

Schwupps war mein Eis verschwunden!